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Seit Anbeginn seiner Arbeit als Bildhauer lag für Christoph Böllinger die
entscheidende Faszination in dem Phänomen 'Bewegung', sowohl in ihrer zeitlich/räumlichen Komponente, ihrem strukturierenden Charakter als auch in
ihrem energetischen Ausdruck gepaart mit der Herausforderung, einem an sich spröden Material Poesie, Ästhetik und Magie zu entlocken.
Für seine kleinen und großen Objekte nutzt Christoph Böllinger häufig, was er vorfindet: Federn und Spiralen, Lochbleche und Stahlbleche
und -platten, sinnlos gewordene Metallteile, aber auch Halbfabrikate und Siebgeflechte, denen er in räumlichen Konstellationen mit ordnendem Zugriff einen
neuen Sinn gibt. Unter seinen Händen fügen sie sich zu rhythmischen Klängen oder kompakten, statischen Zeichen.
Die früheren Arbeiten verraten einen ausgeprägten Sinn für Musikalität, nicht nur im Rhythmus der aufeinander bezogenen Teile, sondern auch
in ihrer Ausrichtung auf die Zeit. Sie besitzen Prozeßcharakter wie eine musikalische Komposition. Zunächst experimentierte Böllinger in kleineren
Formaten. Ohne Probleme gelingt ihm dann der Schritt zur Großplastik. Die Umsetzung ins Monumentale, die sich daraus ergebenden Schwierigkeiten von
veränderten Raum- und Proportionsverhältnissen sowie statischen Anforderungen bewältigt er mühelos. Bereits 1975 entstand so die erste
Großplastik, der bis heute eine Vielzahl weiterer folgte. Sie sind fast alle beweglich. Wind und Wasser geben ihnen ihre Bewegungsenergie. Darin und in der
Freiheit, mit der sich die bis zu 9 mal 13 m großen Objekte in der Landschaft behaupten, klingt wohl eine norddeutsche Erfahrung von Wind, Wasser und weitem
Horizont an.
Nach gut einem Jahrzehnt, in dem fast ausschließlich leichte, kinetische Bildwerke entstanden, suchte Böllinger etwa von der Mitte der achtziger Jahre
an den Kontrast zu ihnen. Seine Plastiken werden schwerer, erdverbundener, erhalten eine kraftvollere Komponente. | |